fbpx

"They named a brandy after Napoleon, they made a herring out of Bismarck,and Hitler is going to end up as a piece of cheese."

 

 

Castorf 75: Partisan: Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz 1992-2017, D 2017, R: Matthias Ehlert, Lutz Pehnert, Adama Ulrich, 130 Min

Lutz Pehnert anwesend

Nach dem Ende der DDR entstanden im vereinten Berlin neue künstlerische Freiräume. Als kurz nach der Wende Regie-Rebell Frank Castorf als Intendant an die Volksbühne kam, veränderte seine Arbeitsweise die öffentliche Wahrnehmung der Hauses. Das Publikum im Ostberlin der Nachwendezeit ließ sich von den radikalen Inszenierungen und Theatermarathons gerne herausfordern und die Volksbühne wurde legendär. Die chronologische Geschichte der Castorf-Ära zwischen 1992 und 2017 wird in Ausschnitten aus den Inszenierungen und Gesprächen auf dem langen Sofa im Foyer erzählt. Hier sprechen Schauspieler*innen wie Henry Hübchen, Sophie Rois, Martin Wuttke und Herbert Fritsch, der von der Schauspielerei ins Regiefach wechselte, wie auch Castorf selbst. Auch die Menschen hinter der Bühne, die für das Publikum meist unsichtbar bleiben, kommen zu Wort und stehen gleichberechtigt neben den prominenten Schauspieler*innen und Regisseuren.

 

aber was dich wirklich verwirrt
ist, worin mein spiel eigentlich besteht.
(henry hübchen als franz moor in “die räuber”)

 

in einer gesellschaft, die sich zunehmend gegenüber neuen denkweisen und ästhetischen grenzüberschreitungen abschottet, sagt frank castorf, sei das theater der letzte partisan. als regisseur und intendant hat castorf die berliner volksbühne seit anfang der 1990er jahre zu solch einem ort des aufbruchs und der avantgarde werden lassen. mit der radikalen reaktion auf gesellschaftliche umbrüche und der erprobung neuer theatermittel wurde die volksbühne zum wichtigsten theater deutschlands mit großer internationaler strahlkraft.

der film begleitet castorf bei seiner abschiedsinszenierung an der volksbühne, dem „faust“, und wirft zugleich einen blick in den maschinenraum dieser theaterfabrik. mitstreiter wie sophie rois, herbert fritsch oder alexander scheer erzählen von den speziellen arbeitszusammenhängen an diesem haus, in news-flashbacks werden besondere momente der letzten 25 jahre wieder lebendig. „partisan“ ist eine hommage an ein theater und sein team, das nun vergangenheit ist, aber als kraftvolles beispiel für ästhetischen eigensinn noch lange nachwirken wird.

 

mit: alexander scheer, sophie rois, henry hübchen, christiane schober / soufleuse, martin wuttke, frank meißner & andreas speichert / bühnenmeister, herbert fritsch, marc hosemann, hendrik arnst, kathrin angerer, lilith stangenberg, frank castorf

 

© Foto: solo:film / Wolfang Gaube