[Berlin - Schoenhauser Corner] DDR 1957, R: Gerhard Klein, DB: Wolfgang Kohlhaase mit Ekkehard Schall, Ilse Pagé, Ernst-Georg Schwill, 81 Min, OmeU

Berlin, Prenzlauer Berg. Unter dem U-Bahnbogen an der Ecke Schönhauser Allee trifft sich täglich das junge Deutschland. Die Erwachsenen stören sich an der Gruppe Jugendlicher, den Halbstarken, ohne zu fragen, warum sie auf der Straße ihre Freiheit suchen.

Einer von ihnen ist „Kohle“, dessen Stiefvater versucht, ihm mit Schlägen Anstand beizubringen. Angela macht stundenweise Platz für den Liebhaber  der Mutter, einer Kriegswitwe, die die Einsamkeit nicht mehr aushält. Dieter liebt Angela und ist ein anständiger Kerl, der sich aber von niemandem etwas sagen lässt und deshalb überall aneckt. Einzig und allein Karl-Heinz, ein Junge aus behütetem Elternhaus, ist auf die schiefe Bahn geraten. Am Bahnhof Zoo versucht er das schnelle Geld zu machen.

Als er seine Freunde Dieter und „Kohle“ mit in die Sache hineinzieht, müssen die beiden vor der Polizei in den Westsektor der Stadt fliehen. Im Auffanglager kommt „Kohle“ tragisch ums Leben und Dieter muss erneut um seine innere Freiheit kämpfen. Am Ende kehrt er zu Angela zurück - denn nun weiß er, was er tut.

Der dritte gemeinsame Berlin-Film von Gerhard Klein und Wolfgang Kohlhaase ist im Stil des italienischen Neorealismus gedreht. Er zählt laut Deutscher Kinemathek zu den 100 wichtigsten deutschen Filmen, nicht nur für Berlin-Fans. 2005 wurde er in der Retrospektive „Rebels with a cause“ im Museum of Modern Art in New York präsentiert.

„Heute gilt ‚Berlin – Ecke Schönhauser’ als eine der besten DEFA-Arbeiten der 1950er-Jahre, vielleicht als wichtigster Gegenwartsfilm dieser Zeit“ (Filmdienst, 2007)

Die Premiere fand am 30. August 1957 im Babylon in Berlin statt.

Dialogzitat: Als Angela (Ilse Pagé) beim Verhör sagt, dass sie als Näherin bei „Fortschritt“ arbeitet, antwortet der Kommissar: „Interessant. Ich habe mir neulich einen Anzug gekauft. Da fielen schon am 4. Tag die Knöpfe ab.“

Wolfgang Kohlhaase erinnert sich an „Berlin – Ecke Schönhauser“: „Bei irgendeiner Abnahme hatte ein hochrangiger Mann geäußert, er hätte jetzt einmal hingesehen. Das sei ja wohl ein Film über das Alltagsleben der Jugend in der DDR, … und in diesem Film scheine nur dreimal die Sonne. … Ich weiß noch, wie ich erwiderte – wir waren ja nicht so verängstigt: ‚Um zu einer solchen Beobachtung zu kommen, muss man allerdings bis drei zählen können.’“ (aus: Spur der Filme. Hrsg. Ingrid Poss, Peter Warnecke. 2006)

„Berlin blieb … Kohlhaases großes Thema. Bis heute. Das Erstaunliche ist, wie zeitlos seine Kiez-Dramen in ihren Dialogen wirken - und wie sehr sie doch stets objektives Dokument jener Zeit sind, in der sie entstanden. … Die Teilung der Stadt war vielleicht in keinem anderen Film so präsent wie in ‚Berlin, Ecke Schönhauser‘ 1956, wo die jungen Menschen die Selbstfindung in einer Metropole übten, die gerade ihre Mitte verlor.“ (Der Spiegel, Christian Buß, 08.04.2011)

Trailer:
 

EN:

Berlin - Schoenhauser Corner - This classic 1950s teen cult film is a perceptive social portrayal of a city in which political and economic division has affected the entire population. Young Germans meet on the Schoenhauser corner. When they have to flee from the police and one of them dies, they have to make a decision.

 

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