"They named a brandy after Napoleon, they made a herring out of Bismarck,and Hitler is going to end up as a piece of cheese."

 

 

Der ERÖFFNUNGSFILM des BABYLON vom 11. April 1929 kehrt nach 90 Jahren, begleitet vom Babylon Orchester Berlin, Dirigent: Marcelo Falcão, auf die goldumrahmte Leinwand zurück. 

Vorher spielt Anna Vavilkina auf der frisch restaurierten Babylon Philipps Orgel Originalmusik aus dem Jahr 1929.

90 Jahre Babylon

Geburtstagsfeier mit Orgel, Orchester & Torte, Filmmusikpremiere

Orgel, Orchester & Geburtstagstorte - Mit einem ganz besonderen 20er Jahre-Jubiläumsprogramm feiert das Babylon am 10. April um 19.30 Uhr in seinen 90. Geburtstag hinein. Die erotisch-androgyne Ausstrahlung Elisabeth Bergners in „Fräulein Else“, dem Babylon Eröffnungsfilm von 1929, interpretiert live das 17-köpfige Babylon Orchester Berlin mit Musikern aus acht Nationen. „Ganz Berlin war in sie verliebt“ (Fritz Kortner) – das galt auch für den Schriftsteller Arthur Schnitzler, der trotz schwieriger Verhandlungen mit der Produktionsfirma immer auf Elisabeth Bergner in der Filmtitelrolle für seine 1924 veröffentlichte, erfolgreiche Novelle bestand.

„Der Film … enthüllt mit Präzision den Lebensstil des Jetsets der Weimarer Republik. Das Faszinierendste des Films … ist seine moderne Ästhetik: Mit langen Einstellungen, einer der ersten Kamerabewegungen und großartigen Schauspielern scheint dieses Frauenporträt ein Film Antonionis vor Antonioni.“ (Rüdiger Suchsland)

Die Filmmusik für „Fräulein Else“ wird eine Premiere sein. Denn Komponist Hans Brandner und Dirigent Marcelo Falcão haben diese ganz in der Arbeitsweise der 1920er Jahre neu geschaffen. Original-Stummfilmmusikkompositionen waren in der Minderzahl. Die Kinoorchester arbeiteten meist nach der Methode der Filmillustration bzw. entwickelten ihre eigene Kompilationspraxis. Hilfe war und ist das „Allgemeine Handbuch der Filmmusik“ des bekannten Stummfilmkomponisten Hans Erdmann. In 2500 Takten von Schubert, Verdi bis Foxtrott wählten und gestalteten Brandner und Falcão ihre eigenen Stimmungsbilder für den Film.

Als das Babylon am 11. April 1929 feierlich als Stummfilmkino am damaligen Bülowplatz eröffnete, war auch die seinerzeit größte, deutsche Kinoorchesterorgel der Firma Philipps aus Frankfurt am Main zum ersten Mal zu hören. Die Fachwelt lobte das Instrument in hohen Tönen: „Die neue Kino-Orchester-Orgel dürfte berufen sein, die ausländische Konkurrenz … endlich aus dem Felde zu schlagen.“ (Deutsche Instrumentenbau-Zeitung, 1929)

Die Babylon Kinoorgel erklingt nun am 10. April nach der von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin geförderten und von Jehmlich Orgelbau Dresden verantworteten Restaurierung wie neu. Die Babylon Kinoorganistin Anna Vavilkina wird das Geburtstagsprogramm eröffnen u.a. mit Stücken des niederländischen Organisten Pierre Palla, der die Babylon Orgel 1929 einweihte. Zum Abschluss des Jubiläums ist auch für das leibliche Wohl gesorgt mit einer drei Etagen Mascarpone-Himbeer-Torte der österreichischen Konditorei Karl-Franz.

1929, als das Babylon als Stummfilmkino eröffnete, war das letzte Jahr, in dem in Deutschland Stummfilme produziert wurden. Was zunächst wie ein Nachteil für das Kino erschien, ist heute eine seiner großen Stärken. Als einziges Kino Deutschlands verfügt das Babylon über eine am originalen Standort erhaltene Kinoorgel. Anna Vavilina ist die einzige, in einem Kino festangestellte Organistin. 2018 gab es über 150 Stummfilm-Live-Aufführungen im Babylon, insgesamt erreichte das Babylon mit seinen 170.000 Zuschauern sein bestes Ergebnis.

Das Jubiläumsjahr 2019 soll nun mit der Neugründung des Babylon Orchester Berlin – auch dies sicherlich einmalig für die deutsche, wenn nicht sogar europäische Kinoszene – ein neuer Qualitätslevel erreicht werden. In den vergangenen drei Monaten war das Orchester in 27 Live-Aufführungen zu hören, für das gesamte Jahr werden es mehr als 70 Aufführungen sein. Außerdem findet das jährliche, große Stummfilmfestival vom 29. August bis 8. September statt. Im Zentrum steht „Das Jahr 1929“ und seine besten, internationalen Produktionen.

Babylon – Das sind die 20er Jahre in Berlin!

 

Faktenüberblick:

11. April 1929: Eröffnung des Babylon mit „Fräulein Else“, insgesamt 1299 Sitzplätze, Architekt: Hans Poelzig

Mehr über die Geschichte des Babylon: GESCHICHTEN UM EIN BERLINER KINO MIT ABSCHWEIFUNGEN

Mehr über die Kinoorgel: Technische Besonderheiten der Kino-Orgel im Babylon


Fräulein Else, D 1929, R: Paul Czinner, mit Elisabeth Bergner, Albert Bassermann, Albert Steinrück, OmeU

Eine junge Frau entscheidet sich widerwillig dazu ihre Werte aufzugeben um ihre Familie vor dem Bankrott zu retten. Fräulein Else war der letzte Stummfilm Bergners. Gedreht wurde im Winter 1928/29 in den Efa-Ateliers, in Berlin-Staaken und im Grunewald-Atelier. Die Außenaufnahmen entstanden in St. Moritz und Wien. Rudolf Kurtz urteilte in der Lichtbild-Bühne: „Czinner hat das Manuskript mit eindringlicher Starrheit für Elisabeth Bergner geschrieben, wie er sie auffaßt. Sie ist für ihn die große Gestalterin seelischer Zwischentöne, zart vorüberfliegender geistiger Feinheit, ein Mensch, der mit seltener Kunst sein Inneres ganz zum Ausdruck bringt. Zweifellos ist das die Stärke der Bergner, aber mit dieser Kunst allein sind die Voraussetzungen für einen wirksamen Film nicht gegeben. Filmwirkung ist dramatische Wirkung mit optischen Mitteln: und was die Bergner braucht, ist vor allem der starke, festgefügte dramatische Rahmen, in den sie sich einfügen kann, der die Möglichkeiten für ihr Können hergibt, und gleichzeitig den Zuschauer in das Gefüge einer zu Herzen gehenden Handlung einspannt.

Wieder und immer wieder muß es gesagt werden: die Bergner ist ein großer Besitz des deutschen Films.

Es gibt kaum eine Darstellerin in der ganzen Welt, deren Gesicht, deren Körper so reiner Ausdruck ihres Innenlebens ist. Mit einer unfaßbaren Klarheit spricht aus ihrem Ausdruck Leid und Freud ihrer Seele, hier ist kostbares Material, das nur mit starker Hand in die filmischen Gelegenheiten einzuordnen ist. Nur einer Künstlerin von hohem Rang ist es möglich, mit Bildmonologen, ohne Partner, nur auf sich selbstangewiesen, eine innere Spannung zu erzeugen, die echt dramatisch wirkt.“

Restaurierung der Orgel: Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin

 

Marcelo Falcão (Rio de Janeiro, geb. 1983) ist Orchesterdirigent, Komponist und Musikwissenschaftler. In Brasilien studierte er zunächst Komposition und Kontrabass. Er erhielt seinen Bachelorabschluss in Musikwissenschaft an der Humboldt-Universität und studierte Orchesterdirigieren bei Alexander Gelovani in Berlin. Anschließend studierte er zeitgenössische Musik am Conservatorio della Svizzera Italiana bei Arturo Tamayo. Am Royal College of Music and Drama in Großbritannien schloss er sein Masterstudium im Orchesterdirigieren mit Merit ab.
Er nahm an Meisterklassen bei Kenneth Kiesler, Colin Metters sowie Douglas Bostock teil und dirigierte dabei das Russian National Orchestra, das St. Petersburg Jugendorchester, das Divertimento Ensemble und die Argovia Philharmonic.
Als Gastdirigent leitete er 2012 das Georgian National Philharmonic Orchester in Tbilisi, Georgien. In Berlin assistierte er Kristiina Poska und Catherine Larsen-Maguire. Im Jahr 2014 dirigierte er Stummfilmaufführungen von Berlin – Die Sinfonie der Großstadt in Brasilien im Rahmen des Deutsch-brasilianischen Jahres. Während seiner Studienzeit in Wales assistierte er dem Dirigenten David Jones bei Mozarts Die Hochzeit des Figaros und Carlo Rizzi bei Verdis Falstaff.
Er bearbeitete und veröffentlichte mit Hans Brandner Nosferatu: fantastisch-romantische Suite für Orchester von Hans Erdmann, verlegt von Ries & Erler.
Er ist musikalischer Leiter des Ensembles Tonspur (www.ensemble-tonspur.com)


(Foto: Nina Brandner)

 

 

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