"They named a brandy after Napoleon, they made a herring out of Bismarck,and Hitler is going to end up as a piece of cheese."

 

 

2019: 90 Jahre Babylon – Zum Geburtstag ein Orchester

BERLIN MARLENE - MARLENE BERLIN
1.  - 30. Jan. 2019

2019 startet das Babylon in sein 90. Jubiläum mit einem großen Tusch: Es schenkt sich das neu gegründete Babylon Orchester Berlin, das allein im Monat Januar in der Geburtstagsauftakt-Reihe „Berlin Marlene, Marlene Berlin“ elf große Stummfilm-Liveaufführungen unter dem Dirigenten Marcelo Falcão darbieten wird: „Metropolis“ (4.+5.1. 19:30, 6.1. 19:00), „Nosferatu“ (11.,12.+25.1. 20:00), „Berlin – Sinfonie der Großstadt“ (23.1. 20:00, 27.1. 19:00) und – als besonderes Schmankerl - zum Lubitsch-Geburtstag am 29. Januar in Anwesenheit seiner Tochter Nicola Lubitsch den von der MoMA neurestaurierten, ersten Hollywood-Film des Regisseurs, „Rosita“ mit Mary Pickford. Zwei internationale Stars in einem Film vereint: „Lubitsch was regarded as the pre-eminent director in Germany, if not all Europe. Pickford, America’s first female movie star, was enormously popular.” (New York Times, 2018).

Die „Roaring Twenties“ leben so am originalen Standort Babylon wieder auf. Orchester-Gründungsmitglieder sind der Komponist Hans Brandner, der die Arrangements für „Nosferatu“ und „Berlin – Sinfonie der Großstadt“ verantwortet, sowie der Dirigent Marcelo Falcão. Die vier Generalproben werden öffentlich sein.

Als Dinosaurier in moderner Zeit, nämlich als Stummfilmkino mit Orchestergraben, eröffnet das Babylon am 11. April 1929. Im selben Jahr am 4. November beginnen die Dreharbeiten zu dem ersten, deutschen Ton-Spielfilm „Der blaue Engel“ unter der Regie von Josef von Sternberg mit dem frisch gebackenen Oscar-Preisträger und aus Hollywood zurückgekehrten Emil Jannings und der bis dahin noch relativ unbekannten Marlene Dietrich in den Hauptrollen. Die Dietrich verkörpert perfekt das Berlin der 20er Jahre: Lebenshungrig, schnoddrig, kühl und zugleich erotisch, Tabus brechend – womit sie auch heute noch manchen irritieren könnte.

Sternberg und Jannings erkennen Marlenes Potential und reagieren ganz gegensätzlich darauf: Jannings wütet gegen die Hauptdarstellerin, würgt sie in der Clownsszene so lebensecht, dass deren Striemen am Hals überschminkt werden müssen. Für Sternberg gilt Friedrich Hollaenders Film-Titelsong „Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ – er dreht mit Marlene insgesamt sieben Filme, die alle im Babylon zu sehen sind. „Der blaue Engel“, bis heute einer der besten deutschen Filme, und ihre ganz eigene Interpretation der Varieté-Sängerin Lola Lola sind das Entree für Hollywood, die Geburt des Stars und Mythos Marlene Dietrich.

Den Stoff für den ersten US-Film „Morroco“ (1930) des erfolgreichen Duos Sternberg-Dietrich liefert Marlene, als sie dem Regisseur für seine Rückkehr in die USA einen Proviantkorb zusammen mit dem Buch „Amy Jolly, die Frau aus Marrakesch“ schenkt. Auch in den USA schafft es Marlene Dietrich, das Publikum zu faszinieren, die Modewelt zu revolutionieren - und alle mit „Morocco“ zu schockieren: Androgyn im Frack und mit hochgeschnittener Hose – später bekannt als Marlene-Hose - küsst sie als Nachtclubsängerin eine Frau.

Mit „The Devil Is A Woman“ (1935) endet die Zusammenarbeit. Sternberg, der für seine Regie-Exzesse bekannt ist, schreibt ihr: „Ich bin müde, meine Liebe. Ich kann nicht mehr gegen Dich kämpfen, gegen Lubitsch, der mich fast so verachtet, wie ich ihn verabscheue.“

Bedeutende Regisseure wollen mit der Dietrich drehen. Als Ernst Lubitsch’s „Angel“ (1937; 29.01. zum Lubitsch-Geburtstag), als eine Frau, die zwei Männer liebt, tritt Marlene in einem spektakulären, mehreren Tausend Dollar teuren Juwelenkleid auf, eine letzte Zusammenarbeit mit Kostümdesigner Travis Banton. 1939, als Produzenten sie als Kassengift abstempeln, begeistert ihr voller Einsatz in der schlagkräftigen Westernkomödie „Destry Rides Again“ mit James Stewart an ihrer Seite. Ein Comeback der verruchten Berlinerin im Wilden Westen. Ohne Rücksicht auf sich selbst legt die Dietrich einen großartigen Schaukampf gegen eine empörte Ehefrau und schließlich sogar gegen den Hilfssheriff James Stewart hin – im Last Chance Saloon. Auch ihre Songs, erneut von Friedrich Hollaender komponiert, werden ein voller Erfolg.

Den Regisseur Billy Wilder kennt Marlene Dietrich noch aus Berlin seit den 1920er Jahren. Nach dem Krieg 1948 kehren beide Hollywood-Exilanten mit „A Foreign Affair“, einer bissigen Komödie über Alt-Nazis, die mit den neuen Machthabern kollaborieren, filmisch in das zerbombte Berlin, nun eine Nekropolis, zurück. Nicht ohne Grund findet der Film keinen deutschen Verleih.

Wilder und die Dietrich sind im November 1945 beide als Beobachter bei den Nürnberger Prozessen. Gut 15 Jahre später spielt Marlene Dietrich an der Seite von Spencer Tracy, Burt Lancaster und Maximilian Schell in dem bemerkenswerten „Judgement at Nuremberg“ von Stanley Kramer (1961) die Witwe eines hingerichteten Nazioffiziers, die von nichts gewusst haben will – „eine glitzernde Figur aus Abscheu, Mitleid, Kälte, Arroganz, Hass und Attraktion. Sie ist wunderbar“ (Friedrich Luft, Die Welt, 1961). Am 14. Dezember 1961, einen Tag vor dem Eichmann-Urteil, feiert der Film in der Berliner Kongresshalle seine Premiere.

Diese beiden ambivalenten Nazi-Rollen im Nachkriegsdeutschland – Erika von Schlütow in „A Foreign Affair“ und Frau Bertholdt in „Judgement at Nuremberg“ – sind auch deshalb so bemerkenswert, da sich Marlene Dietrich trotz wiederholter Offerten durch Hitler und Goebbels aktiv dem Nazi-Regime widersetzte und als „Captain Dietrich“ während des Zweiten Weltkriegs US-Soldaten in Algerien, Italien, Frankreich, Belgien und Holland, später auch russischen Soldaten Trost und Unterhaltung mit ihrem Gesangsprogramm bot. In London in einem US-amerikanischen Rundfunkprogramm forderte sie ihre Landsleute sogar auf: „Jungs, opfert euch nicht. Der Krieg ist doch Scheiße, Hitler ist ein Idiot.“

Exzellent ist auch die zweite Zusammenarbeit Billy Wilders mit Marlene Dietrich, der Gerichtsthriller mit einigen überraschenden Wendungen: „Witness for the Prosecution“ (1957) nach Agatha Christie mit Charles Laughton. Alfred Hitchcock meinte: “Many times, people have told me how much they enjoyed Witness for the Prosecution. They thought it was my film.”

Tatsächlich drehte Marlene Dietrich einige Jahre zuvor unter der Regie des Meisters des Suspense „Stage Fright“ (1950). Hitchcock lobt seinen Star: „Marlene was a professional star. She was also a professional cameraman, art director, editor, costume designer, hairdresser, makeup woman, composer, producer and director.”

Insgesamt zeigt die Reihe „Berlin Marlene, Marlene Berlin“ 25 Filme der Dietrich von 1927 bis 1978 sowie zwei Dokumentarfilme „Marlene“ (1984) von Maximilian Schell und „Marlene Dietrich – Her Own Song“ (2002) des Enkels J. David Riva über ihr Engagement für die Truppenbetreuung der US-Army. Umrahmt werden diese von weiteren Berlin-Filmen, die die 1920er Jahre in ihrem Lebensstil und ihrer Widersprüchlichkeit widerspiegeln. Zum Start ist am 1. Januar der aktuelle Dokumentarfilm von Volker Heise „1929 – Das Jahr Babylon“ zu sehen. Babylon-Geschäftsführer Timothy Grossman: „Mit dem Programm, das das Babylon im 90. Jahr präsentiert, stellen wir uns klar auf die Seite dessen, was das Babylon in Berlin bis 1933 ausmachte: Dietrich, Lubitsch, Wilder.“

Was bei der „Geburt“ des Babylon wie ein Nachteil erschien, ist heute eine der zentralen Anziehungspunkte des Ortes: Das Babylon mit der einzigen in Deutschland am originalen Standort erhaltenen Kinoorgel ist DAS Kino für Stummfilm. Die samstägliche Reihe „Stummfilm um Mitternacht – 0 Uhr – 0 Euro“ mit Kinoorganistin Anna Vavilkina geht 2019 ins fünfte Jahr und stellt im Januar die drei Marlene-Dietrich-Produktionen „Café Electric“, „Ich küsse ihre Hand, Madame“ und „Die Frau, nach der man sich sehnt“ vor.

Mehr Infos zu den Stummfilm-Konzerten:

Metropolis [Metropolis LIVE Babylon Orchester Berlin]

Berlin – Sinfonie der Großstadt [Berlin – Die Sinfonie der Großstadt mit Orchester]

Nosferatu [Nosferatu LIVE Babylon Orchester Berlin]

 

 

Länge: 75 min.

D 1931, R: Gerhard Lamprecht, mit Käte Haack, Rolf Wenkhaus, Fritz Rasp, 75 Min

Länge: 95 min.

[Im Zeichen des Bösen] USA 1958, R: Orson Welles mit Orson Welles, Charlton Heston, Janet Leigh, Joseph Calleia, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich, 95 Min, OmU

Länge: 91 min.

Österreich 1927, R: Gustav Ucicky mit Marlene Dietrich, Willi Forst, Fritz Alberti, Igo Sym, 91 Min, Live an der Orgel: Anna Vavilkina

Länge: 70 min.

D 1929, R: Robert Land mit Harry Liedtke, Marlene Dietrich, Pierre de Guingand, 70 Min, Livebegleitung am Klavier

Länge: 114 min.

D 1930, R: Josef von Sternberg mit Emil Jannings, Marlene Dietrich, Hans Albers, Kurt Gerron, Valeska Gert, 114 Min, OF

Länge: 116 min.

[Zeugin der Anklage] USA 1958, R: Billy Wilder mit Marlene Dietrich, Tyrone Power, Charles Laughton, Elsa Lanchester, 116 Min, OV

Länge: 80 min.

D 1932, R: Slatan Dudow mit Ernst Busch, Hertha Thiele, Marta Husemann, 80 Min

Länge: 88 min.

[Marokko] USA 1930, R: Josef von Sternberg mit Marlene Dietrich, Gary Cooper, Adolphe Menjou, Ulrich Haupt, 88 Min, OF

Länge: 63 min.

Live Babylon Berlin Orchester begleitet Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (1927) von Walter Ruttmann

D 1927, R: Walther Ruttmann, 63 Min. Eintritt 20,- Euro

Länge: 112 min.

D 1931, R: Georg Wilhelm Pabst mit Rudolf Forster, Carola Neher, Reinhold Schünzel, 112 Min

Länge: 103 min.

[Herzen in Flammen] USA 1941, R: Raoul Walsh mit Marlene Dietrich, Edward G. Robinson, George Raft, Alan Hale, Eve Arden, 103 Min, OF

Länge: 105 min.

[Die scharlachrote Kaiserin] USA 1934, R: Josef von Sternberg mit Marlene Dietrich, John Lodge, Sam Jaffe, Louise Dresser, 105 Min, OmU

Länge: 116 min.

[Eine auswärtige Affäre] USA 1948, R: Billy Wilder mit Jean Arthur, Marlene Dietrich, John Lund, 116 Min, OmU

Länge: 78 min.

USA 1932, R: Josef von Sternberg. Mit Marlene Dietrich, Clive Brook, Anna May Wong, Warner Oland, 78 Min, OmU

Länge: 93 min.

USA 1932, R: Josef von Sternberg mit Marlene Dietrich, Cary Grant, Herbert Marshall, 93 Min, OmU

Länge: 94 min.

NOSFERATU
deutschen Zwischentiteln + englischen Untertiteln

Länge: 180 min.

[Das Urteil von Nürnberg] USA 1961, R: Stanley Kramer mit Marlene Dietrich, Spencer Tracey, Burt Lancaster, Richard Widmark, Maximilian Schell, 180 Min, OF

Länge: 96 min.

BRD 1984, R: Maximilian Schell mit Marlene Dietrich, 96 Min, OF

Länge: 180 min.

90 Jahre Babylon. Metropolis. Mit Originalmusik von Gott fried Huppertz
LIVE begleitet vom Babylon Orchester Berlin. Dirigent Marcelo Falcão

4. und 5. Jan 2019 AUSVERKAUFT ;  6. Jan 2019 19:00 Uhr RESTKARTEN (Kategorie Stühle: Freier Platzwahl)
ZUSATZTERMINE: 15.1 und 26.1. jeweils 19:30
ONLINE-TICKETS NUR 25,- Euro (Ohne 10% Online-Gebühren)

Länge: 75 min.

[Der Teufel ist eine Frau], USA 1935, R: Josef von Sternberg mit Marlene Dietrich, Lionel Atwill, Edward Everett Horton, 75 Min, OmU

Länge: 91 min.

[Engel] USA 1937, R: Ernst Lubitsch mit Marlene Dietrich, Herbert Marshall, Melvyn Douglas, 91 Min, OF

Länge: 94 min.

[Der große Bluff] USA 1939, R: George Marshall mit Marlene Dietrich, James Stewart, James Winninger, Mischa Auer, Brian Donlevy, 94 Min, OmU

Länge: 110 min.

[Die rote Lola] USA/GB 1950, R: Alfred Hitchcock mit Marlene Dietrich, Jane Wyman, Richard Todd, 110 Min, OmU 

Länge: 100 min.

D 2002, R: J. David Riva. Mit Marlene Dietrich Hildegard Knef, Thomas Langhoff, Volker Schlöndorff, 100 Min, DF

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